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Michael

Continental Call & Aufnahmequalität

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Hi,

 

da im Moment überall Diskussionen über angeblich schlechte Klangqualität bei CDs laufen, möchte ich hier versuchen mal einen winzigen Beitrag, verbunden mit einer Frage abzugeben:

 

Nach meiner Meinung ist die ganz überwiegende Mehrzahl im Klassik- und Jazzbereich hervorragend aufgenommen (im Pop-/Rockbereich hat man sich dagegen anscheinend mehr den gesetzen des Marktes verschrieben und da wird eben zu 95% über Ghettoblaster-qualiät gehört).

 

Bei den guten Aufnahmen in Klassik und Jazz gibt es eben die einen, die ein direkteres Klangbild zugunsten einer besseren Durchhörbarkeit bevorzugen und andere, denen der Raumeindruck vieler wenig-Mikrophonaufnahmen mit ihrem diffuseren, halligeren Charakter lieb ist. Ich kann, bis auf wenige Ausnahmen mit beiden gut leben.

 

Dennoch gibt es manche Aufnahmen, die dennoch im positiven Sinne klanglich über die anderen guten Aufnahmen so deutlich herausragen, das man sich fragt, wie das denn geht. Interessanterweise klingen diese Aufnahmen aber über wirklich jede Anlage so gut. Da fragt man sich natürlich, warum nicht jede Aufnahme so sein kann. Und bevor jetzt jemand anmerkt, das sei womöglich audiophiles Plingplang, das keinerlei Anforderungen an die Anlage stelle und nur effektbeladen sei, muß ich energisch einwenden: ganz und gar nicht.

 

Ein Beispiel: leider habe ich im Moment kaum Zeit zum Musikhören, so daß ich mit meinem Musikprogramm stark hinterherhinke. Ich habe jedoch gerade noch einmal in meine neue CD "Continental Call" des Concert Jazz Orchestra Vienna reingehört.

http://www.quintonrecords.com/html/artists_cjov.php

 

Da das aber erst kurz war, nur eine kurze Anmerkung zur musikalischen Seite, weil es mir hier eher um ein klangliches Phänomen geht:

Ich stehe ja ohnehin auf intelligent arrangierten Big Band Jazz. Aber diese CD ist auch für mich völlig neu (naja, nicht völlig, schon Duke Ellington hat ähnliches gemacht, aber das ist hier eben was eigenes). Hier sind nicht die üblich vertonten Standards des great american songbooks zu finden, sondern ein Konzert für Gitarre und Big Band, das einen ungewöhnlich mutigen und intelligenten Spagat zwischen dem klassischen Konzert (es handelt sich hier um eine gehaltvolle, viersätzige Komposition) und einem Jazzkonzert. Quasi die Big Band zwischen Symphonie Orchester und amerikanischer Big-Band Tradition.

Das ganze ist für meinen Geschmack äußerst gewitzt arrangiert, instrumentiert und komponiert.

 

So, aber jetzt zum Klang: Eine meiner bisherigen Lieblings-Test CDs in Sachen Dynamik war ebenfalls eine Big Band Jazz CD (Harry Connick Jr. "Come by me". Schon hier waren keinerlei Limitierungen zu hören (bzw nicht zu hören :-) ) und auch ansonsten stimmte alles. Aber ich glaube, gerade diese ungeheure Dynamik machte diese Aufnahme klanglich so besonders. Das ist bei der ontinental Call aber nochmals gesteigert. Das geht wirklich vom ppp zum fff im unvermittelten Wechsel bis auf brachiale Lautstärken der Bläser.

 

Genau so stelle ich mir eine systemimmanent beschränkte Annäherung von Stereo an das Live-Erlebnis vor.

 

Wenn aber nun die Dynamik und der wohl weitgehende Verzicht auf Limiter das Geheimrezept einer guten Aufnahme ist: warum machen das eigentlich nicht alle? Gerade, weil diese Aufnahmen nochmals eine Klasse besser klingen, als viele ohnehin schon gute, bin ich da etwas ratlos.

 

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Hallo Michael

 

Ich habe die Audio-CD kaum angehört, sondern hauptsächlich die neue Surroundversion.

Die Dynamik ist tatsächlich sehr männlich, da kann ich Dir zustimmen :D

 

Der Grund für die hohe Dynamik ist so einfach, daß man grinsen muß, wenn man´s schreibt:

Die Aufnahme wurde überaus dynamisch eingespielt und nicht großartig komprimiert. :7

 

Da ich kein ausgesprochener Bläserfanatiker bin (aber gegen´s blasen nichts habe!), hätte es

mir übrigens besser gefallen, wenn das Schlagzeug durchschnittlich doppelt so laut gewesen wäre.

Aber gut - das ist nun ein anderes Thema.

 

Leuten mit empfindlichen Boxen würde ich empfehlen den Lautstärkeregler nicht in

ungewöhnlich hohe Bereiche zu stellen, denn die ersten beiden Stücke liegen

gute 12dB (im Mittelwert sogar 30dB!) unter dem gewohnten!

Zum Ende von Dream Waltz wird dann deutlich womit zu rechnen ist, wobei der Höhepunkt

nach etwa einer Viertelstunde Spielzeit des letzten Stücks kommt....lecker!

 

Warum nicht alle Aufnahmen so sind (insbesondere der von Dir genannte Pop nicht), ist ziemlich

einfach zu verstehen, wenn man die CD mal mit in´s Auto nimmt, oder während einer

Unterhaltung mal lässig nebenbei laufen lässt...da hat man dann die Wahl entweder

die meiste Zeit so gut wie nichts zu hören oder (bei weiter aufgedrehtem Lautstärkeregler)

öfter mal eine erzwungene Gesprächspause einzulegen *grins*.

Nebenbei erwähnt, gibt natürlich auch viel Material nicht soviel Dynamik her, wie diese Aufnahme.

 

 

Musikalischer Gruß

http://www.centric-project.de/audiomap/Ball.jpg   Michael

 

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Hallo Michael,

 

ich vermute (hoffentlich nicht zu vereinfachend), daß es vielen Produzenten tatsächlich um so was wie "Praxistauglichkeit" geht. Trance hat es gut beschrieben. Auch auf nicht ganz guten Ketten und unter schlechten Hörbedingungen soll "noch was rüberkommen". Kommerz ist überall.

 

Ich weiß jedenfalls (liebe übrigens auch feurige, dynamische Bigband-Sachen - darum auch den AMT...), warum meine Lautstärke-FB oft in Gebrauch ist bei solchen Scheiben. Wenn es keine Nachbarn oder Mitmenschen gäbe, wäre das sicher unnötig.

 

Gruß, Herr Nachbar

 

Klaus

 

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Hallo Klaus,

 

>ich vermute (hoffentlich nicht zu vereinfachend), daß es

>vielen Produzenten tatsächlich um so was wie

>"Praxistauglichkeit" geht.

 

Aber doch nicht bei Klassik oder Jazz? hier kann ich grundsätzlich SEHR wenig von diesen Massenmarkts-Abmischungen entdecken. Dennoch gibt es manche Aufnahmen, die sich dennoch positiv absetzen und das liegt IMHO oft an dem Verzicht auf Limiter.

 

>Trance hat es gut beschrieben.

 

Ja, wie immer :-)

 

>Auch auf nicht ganz guten Ketten und unter schlechten

>Hörbedingungen soll "noch was rüberkommen". Kommerz ist

>überall.

 

Das sehe ich bei Klassik und Jazz-Aufnahmetechniken grundsätzlich anders.

 

>

>Ich weiß jedenfalls (liebe übrigens auch feurige, dynamische

>Bigband-Sachen - darum auch den AMT...), warum meine

>Lautstärke-FB oft in Gebrauch ist bei solchen Scheiben. Wenn

>es keine Nachbarn oder Mitmenschen gäbe, wäre das sicher

>unnötig.

 

Oja, seufz. Insofern habe ich mit meinem Hörraum einen Rückschritt gemacht. Vorher mußte ich pegelmäßig keinerlei Rücksicht nehmen.

>

>Gruß, Herr Nachbar

 

Ebenso

 

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Hallo Leute,

 

ich freue mich, daß bei der guten alten CD klanglich noch nicht alles ausgereizt ist und daß gerade die Spitzenaufnahmen recht unterschiedliche Charaktere aufweisen können.

 

Gruß

 

Micha L

 

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Hi Michael,

 

Heinrich war so nett, mir die mehrkanalige dts-Version und den stereophonen Mixdown zu schicken... Ich kann mich musikalisch nur Deinem Urteil anschliessen; als Gitarrist hasse ich das nervtötende Griffbrettgeturne der meisten meiner Zunft, da ist das Konzert eine absolut positive Ausnahme ;-). Auch die dts-Version ist sehr dynamisch - warum gerade jetzt, wo man endlich seit den Mit-80ern ein Medium mit überragender Dynamik hat, die "populäre" Musik weniger an headroom nutzt, als zu Urzeiten schon mit analogem Band und Vinyl möglich waren, hat tranci ja schon ausgeführt... Leider gibt es auch im Jazz/Jazzrockbereich vieles, was überkomprimiert ist... Klassik hingegen und wohl auch demnächst die "Continental Call" wird bei mir am Compi autotauglich komprimiert und dann auf MD gespielt... Besser, als wenn man versuchen muss, totkomprimierte Aufnahmen zu expandieren - lustig, nicht mehr ;-(

 

>>Genau so stelle ich mir eine systemimmanent beschränkte Annäherung von Stereo an das Live-Erlebnis vor.

 

Wer die - äusserst diskret gemischte - dts-Mehrkanalversion hat, wird Dir dynamisch und mehrstimmig entgegenbrüllen: Stereo ist tot! :-0

Empfehlung: Noch in diesem Jahr soll die DVD-Mehrkanalversion von u.a. dem Konzert kommen... Kaufen, Leute, kaufen!

 

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Moin Rob,

 

heute besuche ich Trancemeister, dann werde ich Heinrich's neues Meisterwerk auch mal bewundern können. Wenn Du und TM davon recht angetan seid, dürfte es wohl ein "kleines" Klangerlebnis werden :-)

 

Totkomprimierte Aufnahmen zu expandieren ist tatsächlich eine hoffnungslose Aufgabe. Meistens betrachte ich solche Aufnahmen als verloren.

 

Viele Grüsse

 

Wolfgang

 

 

 

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Ich liebe es, wenn mich alle loben - weiter so :-)

(unter Umständen vielleicht noch ein wenig hymnischer, mit Posaunen, Hosianna und allem, was dazu gehört ;-) )

 

Zurück zur Frage:

 

Im allgemeinen komprimiere/limitiere ich meine Aufnahmen aus den erwähnten Gründen. Und wenn man es gut macht, ist es sogar ein klanglicher Gewinn - denn obwohl objektiv die Dynamik "zusammengeschoben" wird, hat man subjektiv den gegenteiligen Eindruck (den einer größeren Dynamik). Sämtliche Formen der Überkompression mal außer Acht gelassen. Und ganau da begannen die Probleme für mich in Bezug auf das Mastering bei "Continental Call" - ein durchkomponiertes Werk von einer Stunde Spieldauer mit dieser Dynamik kann man nicht einfach mit einer fixen Einstellung durch einen Kompressor jagen. Denn entweder wird er bei den Pegelspitzen sonst "Pumpen" oder schlicht die meiste Zeit gar nichts tun (und dann brauche ich ihn auch nicht einzuschleifen). Und wenn komprimieren, dann so, dass das Ergebnis danach wirklich die alltagsgebräuchlichen 30dB (sowieso schon viel, vergleicht man das mit Pop/Rock) hat.

 

Zumindest habe ich keine Kompressoren/keine Einstellung (oder mehrere, um die Komposition in unterschiedlichen Abschnitten unterschiedlich zu mastern, und dann wieder zusammmenzusetzen) gefunden, die mir hier gefallen hätten.

 

In diesem Fall haben ich das Problem der Dynamik geradezu "klassisch" gelöst: Die Lautstärke von Hand mitfahren...

 

 

Werde aber zukünftige Aufnahmen, wenn's denn geht, nach wie vor komprimieren - und behaupte es wird trotzdem gut klingen :-)

 

 

...and now to something completely different:

 

Einerseits freut mich natürlich Eure Begeisterung, andererseits würde mich ganz ernsthaft interessieren, was ihr von den Surroundmischungen haltet. Die beiden unterscheiden sich ja doch wesentlich... Verbesserungsvorschläge/Kritik/Änderungswünsche?

 

Im Herbst kommen die 5.1 Mischungen auf den Markt, bis dahin kann ich bei einem nachträglichen/neuen Mastering noch etwas ändern (wenn jetzt zum Beispiel alle den gleichen Kritikpunkt hätten...). Für mich sind diese Rückmeldungen wichtig - denn bis jetzt hat ja niemand wirklich Hörerfahrung in Surround. Man ist als gezwungen, sich auf den eigenen Geschmack zu verlassen und Farbe zu bekennen - mitunter kein schlechtes Training ;-)

 

 

Gruss,

 

Heinrich

 

 

 

 

 

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Hallo Heinrich

 

Na bei Deiner anderen Scheibe habe ich mich ja tiefgreifend geäussert,

was mir ja spontan übel genommen wurde, da ich wenig auf die Musik einging.

Beim ersten Durchlauf ist mir eigentlich nur das aufgefallen, was ich auch geäussert habe,

was allerdings vollkommene Geschmackssache ist: Ich würde die Drums deutlich lauter machen.

Es ist einfach Schade wie verhalten das Schlagzeug ist, zumal es (mich) klanglich völlig überzeugt.

Ich kann nicht glauben, daß ich die CD zu leise gefeiert habe *g*.

Aber gut - dazu können sich vielleicht die anderen Besitzer der CD zu Wort melden?

 

Musikalischer Gruß

http://www.centric-project.de/audiomap/Ball.jpg   Michael

 

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Hi Heinrich,

 

der einzige Kritikpunkt, den ich auch nur anbringe, weil der Center schwächer ist als der Rest, ist, das, wie allgemein üblich, dort doch recht viel power dranliegt... Wenn ich kriminell laut hören will, muss ich halt auf Phantom-Center umstellen ;-).

Prinzipiell begrüsse ich es, wenn Surround nicht nur als Mittel genommen wird, direkten und indirekten Schall besser trennen zu können, sondern wenn die rückwärtigen Kanäle auch als Gestaltungsmittel eingesetzt werden... Da ist die "Continental" eher konservativ ;-). Bez. des von tranci seinerzeit als etwas mau bemängeltem Bass habe ich Dir ja schon meinen konträren Eindruck geschildert; hier ist vielleicht das Problem die nicht konsistente Regelung bez. LFE-Pegel bei DD vs. dts?

 

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Moin, Wolfgang,

 

>>heute besuche ich Trancemeister, dann werde ich Heinrich's neues Meisterwerk auch mal bewundern können.

Viel Spass!

 

>>Totkomprimierte Aufnahmen zu expandieren ist tatsächlich eine hoffnungslose Aufgabe. Meistens betrachte ich solche Aufnahmen als verloren

Da kann ich Dir nur zustimmen... Ich habe so etwas teilweise versucht, um einen hohen noise floor danach besser weggaten zu können... Funktioniert bei Summensignalen einfach nicht :-0.

 

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Hallo Leute,

 

im ars-Magazin 2/2000 wurde eine Aufnahme vorgestellt ohne jeglichen "Versuch der Kompression": Umi: The way we were (A&U Productions aus Singapur; Jazzsängerin mit Band).

 

Herzliche Grüße

 

Micha L

 

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